[Rezension] Christoph Marzi – Lilith

Leseprobe und weitere Informationen zu Christoph Marzi
Verlag: Heyne Verlag (7. November 2005)
Genre: Fantasy
Seiten: 692
ISBN: 978-3453521353

Klappentext: Es geschehen seltsame Dinge in London. Vier Jahre nach den Ereignissen, die das Waisenmädchen Emily Laing die Uralte Metropole haben entdecken lassen, bewahrheiten sich die Worte des Lichtlords: Alles wird irgendwan wieder leben. Im Dunkeln regen sich mysteriöse Gestalten, Menschen verschwinden vom Angesicht der Erde und seltsame Träume suchen Emilys Freundin Aurora heim. Und so steigen die beiden Waisenmädchen in Begleitung des mürrischen Alchemisten Wittgenstein und des Elfen Maurice Micklewhite erneut in die geheimnisvolle Welt unterhalb Londons hinab. Eine Welt, bevölkert von Wiedergängern, ägyptischen Gottheiten, gefallenen Engeln, goldenen Vögeln und sprechenden Ratten. Und eine Welt in großer Gefahr. Wer ist die geheimnisvolle Frau, deren Erscheinen immer mit großer Not und grauenhaften Verbrechen verbunden ist? Welche Rolle spielt der Junge, in dessen Augen sich Emily verloren hat? Die Spur führt sie über Paris hinab in einen düsteren Abgrund, wo inmitten des Wüstensands die Asche einer Frau gefunden werden muss, die man einst Lilith nannte.

Der 1. Satz:

Die Welt ist gierig, und manchmal verschwinden Menschen in ihrem Schlund, ohne jemals wieder gesehen zu werden.

Meine Meinung: Der zweite Teil der Reihe um die Uralte Metropole und Emily Laing ist wieder sehr spannend und unterhaltsam: der Wälzer blättert sich fast von selbst um. Der Grundton ist noch düsterer als in “Lycidas”, die Geschehnisse ziemlich blutig, teils wird es sogar recht eklig. Grausige Kreaturen begehen furchtbare Morde, ganze U-Bahn-Züge voller Menschen wurden brutal und blutig niedergemetzelt.

Christoph Marzi bietet hier viel Mythologie von Blutsaugern und Wiedergängern auf, schlägt einen großen Bogen zu der Mythologie des alten Ägypten und osteuropäische Vampirlegenden bis zu den merkwürdigen Geschehnissen bei den Ausgrabungen des bekannten Archäologen Howard Carter, der das Grab des Tut-ench-Amun fand. In vieler Hinsicht kann man noch einiges lernen, aber manchmal waren mir das zu viele Informationen, die man zu verarbeiten hatte.

Ich fand “Lilith” ein wenig anders als “Lycidas”, meine Lieblingssätze wie “Fragen Sie nicht!” oder “Dieses Kind!” waren seltener, und auch der Humor von Wittgenstein kam nicht so oft durch. Was aber andererseits auch zur Geschichte passt, denn sie ist eindeutig gruseliger und ernster. Außerdem finde ich, dass es sich zu wenig um Lilith selbst, deren Maske man ja in der Hölle zu finden hofft, und die das ultimative Böse vernichten kann, dreht. Erst am Schluss, im Finale,  taucht sie auf und vernichtet mal eben kurz eine Göttin und verschwindet wieder in der Unendlichkeit der Hölle.

Die teilweise etwas verwirrende und sprunghafte Erzählweise und die Geheimniskrämerei haben mir den Spass allerdings ein wenig verdorben. Zu viele Geschichten werden erzählt, man weiß nie ob sie der Wahrheit entsprechen, oder wer denn nun wirklich Recht hat und wer jetzt wer ist, war auch schwer zu durchschauen. Letztendlich werden alle Geheimnisse um Geschehnisse und Personen in der Vergangenheit und Zukunft gelüftet und man ist bereit für den dritten Band, der von den Abenteuern von Emily Laing und Aurora Fitzrovia in der Uralten Metropole weiterberichtet.




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