[Rezension] Brom – Der Kinderdieb

Originaltitel: The Child Thief (2009) Leseprobe
Verlag: Pan Verlag  (15. Februar 2010)
Genre: Fantasy
Gebundene Ausgabe: 655 Seiten
ISBN: 978-3426283295

Klappentext: Leise wie ein Schatten streift ein merkwürdiger Junge durch die dunklen Straßen von New York. Er nennt sich Peter und ist auf der Suche nach Kindern und Teenagern, die in einer aussichtslosen Situation nicht mehr weiterwissen. Peter rettet sie und bietet ihnen an, sie in sein magisches Reich zu führen, in dem niemand je erwachsen werden muss. Doch Peter verrät ihnen nicht, dass dort nicht nur magische Geschöpfe und das Abenteuer ihres Lebens auf sie warten, sondern auch größte Gefahr.

Der 1. Satz:

Heute Abend würde sie wieder geschehen: die wirklich schlimme Sache.

Meine Meinung: Die Geschichte von Peter Pan wurde ursprünglich von James Matthew Barrie geschrieben und ist, im Gegensatz zu den bekannten Disney-Verfilmungen, eine recht blutrünstige Story mit einem rücksichtlosen Peter Pan, der andere Kinder rekrutiert, um sie gegen seine Feinde kämpfen zu lassen. Der Schriftsteller Brom hat diese Geschichte in unsere Zeit versetzt und mit englischen Sagen, wie der vom mystischen Reich Avalon, gewürzt.

„Der Kinderdieb“ ist überraschend blutig. In einem nüchternen Tonfall beschreibt Brom den Tod der Teufel, die im Kampf gegen die Fleischfresser fallen, umherfliegende Innereien, das Sterben der Natur und der Bäume, deren Todesschreie durch Mark und Bein gehen. Dieses Buch ist definitiv kein Jugendroman, sondern richtet sich aufgrund der Brutalität in meinen Augen klar an erwachsene Leser.

Das ganze Buch ist durchweg spannend, düster und fernab jeder kindlichen Peter Pan – Vorstellung. Wer von dem lustigen Jungen lesen will, der in Nimmerland Abenteuer erlebt, sollte von diesem Buch die Finger lassen. Ich jedenfalls war von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Man wird in eine Geschichte gezogen, die sich nicht einfach in Gut und Böse teilt, man kann sich auch in die widerlichste und scheinbar böseste Figur noch irgendwie reinversetzen und ein bisschen Verständnis für sie aufbringen. Schließlich hat eine Medaille immer zwei Seiten! Die Figuren sind vielschichtig und gut herausgearbeitet. Innere Konflikte der Hauptfiguren lassen sich gut nachvollziehen und lassen sie echt wirken. Dabei macht es eben keinen Unterschied, auf welcher Seite die Person steht.

Der grausamen Gegenwart gegenüber wird Peters Geschichte in Rückblicken eingeschoben, wie er aufwuchs, warum er Erwachsene verabscheut und wie er zum Kinderdieb wurde. Viele Hintergründe und die Geschichte Avalons werden erläutert, die Bewohner und fantastischen Völker der Insel vorgestellt und die Ursachen für den schleichenden Untergang dieser fabelhaften Welt betrachtet.

Großes Lob auch an die  Umschlaggestaltung, die ich sehr gelungen finde. Weiterhin befinden sich in der Mitte des Buches farbige Bilder der Hauptpersonen und jedes einzelne Kapitel wird von einer passenden schwarz-weiß-Zeichnung eingeleitet. Dies macht das Buch meiner Meinung nach zu einem wahren Schmückstück.


Für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares bedanke ich mich nochmals beim PAN-Verlag.

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