Originaltitel: Island (1995)Verlag: Heyne Hardcore (1. August 2006) Genre: Thriller Taschenbuch: 560 Seiten ISBN: 978-3453675117
Preis: 9,95 €
Kurzbeschreibung: Nach der Explosion ihrer Urlaubsjacht finden sich die Überlebenden am Strand einer einsamen Insel irgendwo in der Südsee wieder: Rupert, seine “Freundin” Connie, deren Schwestern Kimberly und Thelma, Vater Andrew und Mutter Billie sowie Kimberly`s Gatte Keith. Auf der Jacht saß Thelma`s Ehemann Wesley – und außer Thelma glaubt die ganze Familie, dass die Explosion seiner Idiotie zuzuschreiben ist. Doch kaum hat man sich auf der Insel halbwegs eingerichtet, wird Keith aufgeknüpft im Dschungel gefunden. Wer von den Gestrandeten ist zu so einer Tat fähig? Oder ist es möglich, dass Wesley die Explosion überlebt hat und nun auf der Insel sein Unwesen treibt?
Der 1. Satz:
Heute ist die Jacht explodiert.
Meine Meinung: Richard Laymon`s Roman “Die Insel” kommt daher in der Form eines Tagebuchs, das Rupert Conway über seine Tage als Schiffbrüchiger führt. Er ist ein 19-jähriger Mann, der weder wirklich erwachsen noch geistig eine Leuchte ist. Und mir kam es wirklich so vor, als ob das Buch das Tagebuch eines 19-jährigen Jungen ist. Schon allein an der Sprache, den kurzen Sätzen und dem ständigen Denken an Sex. Das stört am Anfang schon ein bisschen, vor allem weil Rupert schnell den roten Faden beim Tagebuch schreiben verliert.
Er steckt noch tief in der Pubertät, ist mit mehreren attraktiven, immer sehr leicht bekleideten Frauen auf einer Insel gefangen. Bald sind deren Ehemänner tot; Rupert hat also theoretisch freie Bahn. Seine Gedanken kreisen unentwegt um das Eine. Dieser Wesenszug lässt Rupert hin und wieder unsympathisch erscheinen.
Auch wenn der Mörder schon relativ zeitig enttarnt wurde, blieb es trotzdem meist spannend. Leider herrschte trotzdem hin und wieder Leerlauf, auch wenn der Roman nicht wirklich langweilig ist und sich flüssig lesen läßt. Einige Sachen hätte man durchaus weglassen können, vor allem die ständigen Wiederholungen, was für Bikinis die Frauen anhaben und wie sie damit aussehen und was Rupert sich darüber zusammenfantasiert.
Ich finde in diesem Thriller werden die menschlichen Abgründe sehr gut beschrieben und verdeutlicht. Besonders klar wird das bei dem überaschenden Ende, das ich hier aber natürlich nicht verraten werde. Außerdem brachte mich das Buch zwischendurch immer wieder zum Schmunzeln. Trotz der rohen und vor allen Dingen sexistischen Gewalt steckt einiges an schwarzem, groteskem Humor in dem Buch. Wenn man sich an den eigensinnigen Schreibstil mit den vielen kurzen Sätzen gewöhnt hat kann man sich gut in die Geschichte einlesen. Tatsächlich sind die “erotischen Gedanken” die sich Rupert so macht, etwas übertrieben und man könnte meinen, Layman hat eine gestörte Fantasie.
Aber wer die Bücher von Richard Laymon kennt und gelesen hat, weiß was auf einen zukommt: Splatterschreibstil, Horror, Pornografie, viel Blut und das alles weit an der Grenze des guten Geschmacks vorbei. Trotzdem ist er inzwischen einer meiner Lieblingsschriftsteller. Laymon gehört zu den Autoren, die sehr packend, sehr spannend und vor allem sehr intensiv schreiben können. Mit wenigen, sehr einfachen Mitteln baut er eine intensive, bedrohliche Atmosphäre auf. Aber warum diese Geschichte in der sogenannten “Hardcore”-Reihe des Heyne-Verlages erscheint, kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Mit Ausnahme der letzten 15 Seiten geschieht eigentlich nichts, das man hinsichtlich der Grausamkeit nicht genauso auch in jedem gewöhnlichen Krimi vorfinden würde.
Das Ende war für mich überraschend und schockierend und wirft die Frage auf, wie abgrundtief böse eine menschliche Seele denn sein kann. Und ob in jedem noch so unschuldigen Menschen eine Bestie schlummert?
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